Pressekritik zum "Youth-Weekend" der evang. Kirchengemeinde Bad König am Freitag, 7. Februar 2003


Geschichten ohne Worte, die viel sagen


Ralf Meißer und Moya-Chor eröffnen erfolgreich "Youth Weekend" der evangelischen Kirchengemeinde


BAD KÖNIG. Vereinzelt gibt es Menschen, die können ohne Worte mehr sagen, als mancher Politiker in stundenlangen Reden. Zu ihnen gehört auch Ralf Meißer, jener Pantomime, der am Freitag gemeinsam mit dem Moya-Chor das "Youth-Weekend" der evangelischen Kirchengemeinde Bad König im Gemeindehaus eröffnete.

Nachdem der von Roland Jakob geleitete Moya-Chor das Publikum mit bekannten Gospels und Spirituals wie "Sing and pray" oder "Heaven is a wonderful place" eingestimmt hatte, hieß es "Bühne frei" für den Mann mit dem weißgeschminktem Gesicht. Dieser erzählte - mit perfekter Gestik und Mimik, aber ohne ein einziges Wort zu verlieren - kurze Geschichten, die sich in seiner einstündigen Vorführung von erheiternder Alltagsgeschichte hin zur religiösen Botschaft entwickelten. So illustrierte Meißer eingangs, wohin der Kampf zwischen einem Mensch und einer störenden Stubenfliege führen kann. Dann begab sich der Künstler auf die Suche nach einer besonders schönen Blume - einer imaginären Rose, die er schließlich ins Publikum verschenkte. Herrlich waren danach zum eingespielten Lied "Der brave Bürger" die eigenen, menschlichen Verfehlungen beim Pantomimekünstler zu entdecken und der Zuschauer konnte herzlich über deren übertriebene Ausarbeitung - etwa beim aggressiven, Autofahren - lachen.

Zwischen seinen pantomimischen Darbietungen erzählte Meißer, der seine Ausbildung bei Peter Makal in Stuttgart absolvierte und seit zehn Jahren in der Klostermühle, einer Bibelschule zwischen Taunus und Westerwald, tätig ist, von seinen Erlebnissen in der Missionarsarbeit. Dabei stellte er fest, dass auch "die Frommen nur Menschen sind" und immer wieder hinfallen, um "im Glauben wieder aufzustehen". Zudem könne er - frei nach der Werbung eines bekannten Kreditinstituts -sagen, dass sein "Papa nicht nur ein Auto, ein Haus und ein Boot hat“ - habe sein Vater, Gott, doch die Welt geschaffen. Untermalt vom schottischen Segenslied "Amazing Grace" illustrierte Meißer zum Abschluss noch einmal pantomimisch, wie man an Gottes Hand aus der Enge und Beklemmung des Gesellschaftssystems entfliehen kann. Vorher aber müsse man sein beim pantomimischen Spiel durch einen roten Luftballon repräsentiertes Herz aus freien Stücken in Gottes Hände legen, denn zwanghaft wolle dieser es nicht retten.

Schließlich hatte noch einmal der Moya-Chor seinen Auftritt. In ausgeglichener Stimmverteilung und mit viel Engagement präsentierten die achtzehn Sängerinnen und Sänger zu eingängiger Gitarren- (Roland Jakob) oder Conga-Begleitung (Kuno Holeczek) weitere englischsprachige Stücke wie "Somebody's knocking at your door und Ive got a feeling". Die Zugabe "Oh, happy day", bei der Erika Dietz ihre solistischen Fähigkeiten bewies, beschloss den offiziellen Teil der Veranstaltung, doch viele Gäste ließen es sich nicht nehmen, noch lange im Gemeindehaus zu bleiben und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ähnlich erfolgreich wie der Freitag verliefen auch der Samstagabend und der Jugendgottesdienst des "Youth Weekends" am Sonntagmorgen. Zu jenen beiden Veranstaltungen eingeladen hatte die Gemeindejugend weitere Mitarbeiter der Klostermühle um Prediger Stefan Kiene.

Sie verstanden es gemeinsam mit der Band "No Choir, moderne christliche Lieder in jugendgemäßem Klang zu präsentieren und das Thema" Out of the dark -into the light" zu beleuchten. Insgesamt ein für die kirchliche Jugendarbeit in der Kurstadt Bad König erfolgreiches Wochenende, das sicherlich eine Fortsetzung finden wird.


Perfekte Gestik: Der Pantomime Ralf Meißer überzeugte bei der Eröffnung des "Youth Weekend" der evangelischen Kirchengemeinde Bad König am Freitag die Zuschauer ohne Worte. In ausgefeilter Mimik und Gestik wusste er kurze Geschichten zu präsentieren.

Text: JORK HERRMANN